Digitale Zwillinge: Eine Chance für die Reinigungsbranche?


In vielen Industrien erleben wir aktuell einen regelrechten Digitalisierungsboom. Auch in der deutschen Reinigungsbranche, die bislang eher durch konservative Tendenzen charakterisiert war, erfreuen sich neue Technologien steigender Beliebtheit. Ein Grund hierfür ist sicherlich der Zugzwang für die Unternehmen, der durch die Corona Pandemie ausgelöst wurde. Nach einem anfänglichen Schock in der Branche und einem teils „strategischen Einigeln“ arbeiten viele der Branchenvertreter wieder an Zukunftskonzepten. Ein neuer technologischer Ansatz, der momentan in Teilen der Branche diskutiert wird, ist der Digitale Zwilling. Dabei handelt es sich um ein digitales Abbild, z. B. eines Gebäudes oder einer Reinigungsmaschine, welches hilft Abläufe zu simulieren, den Planungsprozess darzustellen oder Fehlerquellen im Vorfeld zu identifizieren. Der Digitale Zwilling kann dabei schon entstehen, wenn es das reale Objekt noch gar nicht gibt. Allerdings existieren in der Praxis weder eine allgemeingültige Definition der Technologie noch ein einheitliches Branchenverständnis.


Jedoch scheint sicher zu sein, dass sich durch die Nutzung von Digitalen Zwillingen einige sehr interessante Möglichkeiten für die Reinigungsbranche ergeben könnten. Diese beziehen sich u. a. auf die Optimierung der aktuellen Reinigungsprozesse, können aber auch dabei helfen Gebäude so zu planen, dass die Reinigung der Zukunft in der Gebäudeinfrastruktur Berücksichtigung findet. Wird davon ausgegangen, dass in Zukunft Reinigungstätigkeiten vermehrt von Robotern durchgeführt werden sollen, so ist hierfür die Schaffung einer entsprechenden Gebäudeinfrastruktur notwendig. Auch wenn die Technologien noch nicht verfügbar sind, kann hierfür schon die notwendige Infrastruktur mit eingeplant und so zukünftige Kosten für die Technologieimplementierung minimiert werden. Darüber hinaus können Digitale Zwillinge helfen von Anfang an alle für den Gebäudebetrieb notwendigen Gewerke besser zu koordinieren und ein Gebäude als Gesamtsystem in Planung- und Bewirtschaftung zu verstehen. Die Reinigung wäre somit kein autonomes Gewerk mehr, welches erst nach Fertigstellung des Gebäudes geplant werden würde, sondern Teil eines interdependenten Gesamtsystems. Hierfür ist aber eine engere Kooperation und die Entwicklung eines gegenseitigen Verständnisses zwischen der Reinigungs- und der Gebäudebranche notwendig.



Status-Quo und Ausblick

Wie bei vielen technologischen Neuerungen sind die Branchenvertreter in der Mehrzahl aktuell noch zurückhaltend, was die Technologiebewertung und die Initiierung von Testprojekten angeht. Solange es keine Best-Practice Beispiele innerhalb der Branche gibt und sich aus einer Nichtnutzung der Technologie keine Wettbewerbsnachteile ergeben, wird sich dies vermutlich nur langsam ändern. Die stärkere Nutzung von Digitalen Zwillingen in der Reinigungsbranche wird vermutlich durch die Technologieentwicklung außerhalb der Branche und eine erzielbare Effizienzsteigerung getrieben. Aktuelle Studienergebnisse lassen erste Tendenzen erkennen, dass bei der Planung von Gebäuden die Reinigung immer mehr Berücksichtigung findet. Hier sollte sich die Branche frühzeitig in die Diskussionen einbringen, Kooperationen entwickeln und ihre Expertise nutzen.



Fazit

Die Technologie des Digitalen Zwillings steht in der Reinigungsbranche noch ganz am Anfang. Wie auch im Bereich von IoT gibt es noch keine relevanten Best-Practice Beispiele oder konkrete Geschäftsmodelle, die eine Nutzung von Digitalen Zwillingen in der Branche finanziell lukrativ machen. Jedoch kann sich gerade für größere Unternehmen, für welche die noch eher hohen Investitionen leichter stemmbar sind, ein sehr attraktiver Marketingeffekt ergeben. Zudem sind für diese Unternehmen auch die Lerneffekte nicht zu unterschätzen, die künftig einen Wettbewerbsvorteil bedeuten können. Es bleibt aber abzuwarten, ob eine Technologieadaption aus der Branche heraus passiert oder ob ein branchenübergreifender Technologietransfer stattfindet.



Über die Autoren

Stefan Lehmann – Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung Faber Fachgroßhandel GmbH

Wenn auch nicht vom Alter her, aber aufgrund seiner doch schon jahrzehntelangen Branchenerfahrung, gehört Stefan Lehmann sicherlich zu den Urgesteinen der Reinigungsbranche. Zu seinen beruflichen Stationen zählen u. a. Führungs- und Projektaufgaben bei internationalen Branchengrößen wie Henkel, Tana und Alliance.

Michael Di Figlia – Managing Director und Head of Cleaning Markets bei DTO

Michael Di Figlia ist Geschäftsführer bei DTO Consulting. Nach einer Tätigkeit bei der Bayer AG in den Bereichen In-house Marktforschung und strategischer Planung sowie diversen Stationen bei größeren Unternehmensberatungen gründete der ausgebildete Industriekaufmann und MBA-Absolvent 2008 DTO. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, seine Kunden bei Internationalisierungsvorhaben durch professionelle Marktanalysen und Strategieberatung zu unterstützen. Michael Di Figlia leitet, neben seinen Geschäftsführungsaufgaben, den Bereich Reinigungs- und Hygieneindustrie.

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